In Gedenken an Richard Schuckmann
In Gedenken an Richard Schuckmann

Wie es der Zufall so will, ich mischte Mitte der 80er zusammen mit meinem Kollegen Klaus Bongaertz die Gütersoher Jazzreihe. Im Rahmen dieser kam es zu einem Highlight mit Lester Bowies Art Ensemble of Chicago. Genau einen Tag später spielte die Formation in Wiesbaden und wer saß dort hinterm Pult? Klar, Richard Schuckmann! Richard und ich lachten herzhaft über ähnliche Begebenheiten, die wir mit dem Ausnahmetrompeter erleben durften.

Das SAE Frankfurt Team im Sommer 2000

Was gibt es sonst noch zu berichten? Vielleicht an dieser Stelle drei Anekdoten, die ein wenig erahnen lassen, was Richard für ein Mensch war:
Erste Anekdote
Montagmorgen, Richards Vorlesung beginnt in einer halben Stunde. Gerade noch Zeit, um beim Bäcker um die Ecke schnell ein paar Croissants einzukaufen, um nicht mit leeren Magen vor den Studenten stehen zu müssen. „Ulli, hast Du schon gefrühstückt?“ Meine klare Antwort an einem Montag um die Zeit: „NEIN!“. Für Richard eine Selbstverständlichkeit die Tüte aufzureissen und mir die Hälfte seines Plunder-Hefe-Blätterteig-Gebäcks anzubieten!
Zweite Anekdote (unglaublich aber wahr!)
Eines Tages kam Richard etwas aufgeregt in mein Büro und fragte mich: „Ulli, Du kennst doch die Baustelle auf der 661 von Wiesbaden in Richtung Frankfurt!?“. Ich, der seit fast 10 Jahren in Bad Vilbel wohnt, antwortete eher gelassen mit einem langgezogenen N E I N. „Also, die Jungs in der Baustelle werden von diesen idiotischen Autofahrern permanent beschimpft, da sie angeblich nichts besseres zu tun haben, als für den täglichen Stau zu sorgen. Da bin ich erst einmal an die nächste Tanke gefahren, habe einen Kasten Bier gekauft und diesen bei den Jungs in der Baustelle mit den Worten abgeben, Ihr macht einen großartigen Job!“ Kein weiterer Kommentar ...
Dritte Anekdote
Ich hatte am 18.12.2005 alle Kollegen zu einer Weihnachtswanderung durch den winterlichen Taunus eingeladen. Auch Richard war selbstverständlich mit dabei. Man traf sich auf einen Parkplatz in der Nähe der Eschbacher Klippen bei Usingen. Richard bestimmte nicht nur das Tempo, sondern auch mit dem Brustton der Überzeugung den „richtigen“ Weg. Nachdem wir plötzlich alle inmitten des Waldes, ab von jeglichen Pfaden zwischen den Bäumen fast im Schneematsch versanken, verließ sich der Rest der Kollegen nicht mehr auf Richards Pfadfindernase und suchte fortan auf eigene Faust wieder festen Boden unter den Füßen. Richard hingegen lies es sich voller Stolz nicht nehmen, weiter - ganz alleine - auf seinemWeg durch den finsteren Wald zu schreiten. Beim anschließenden Mittagessen war er dann trotzdem pünktlich mit dabei ... Wie heisst es doch so schön: viele Wege führen nach Rom!

Der Kutscher kennt den Weg ... ja nä ... ja nä!
Als ich Richard im letzten Jahr bat, mir kurz einige Stationen seines Schaffens für unsere Website aufzuschreiben, kam von ihm diese Kurzbiographie per email:
Studium der Physik; Inhaber der Fa. WAV seit 1978 (Wiesbaden); Studiobau und Planung: AAM (Niederwürzbach); Tonstudio Besser (FFM); CCS (FFM); Tonstudio Eck-Ton (Hohenstein); Fremdsprachenzentrum (Uni Mainz); Planung von Konferenzräumen für: AEG (FFM); Akademie der Architektenkammer (FFM); Aufführungen u. Konzerte: Wiesbadener Stadtoper; „Lärmtunnel“ DASA (Dortmund)

Drei Audio-Böcke im 19-Zoll-Gespräch auf der Musikmesse (v.l.n.r.: Peter Waschke spL, Richard u. Ulli
Mit wem soll ich jetzt über die Hopkins-Stryker Gleichung, über Axial- und Oblique-Moden in Räume, über die Bonello Kriterien oder über aktuelle, tagespolitische Geschehnisse diskutieren? Ja nä ... ja nä ...
Richard, Du hast Dir entschieden zu früh den Stecker ziehen lassen!